Ich beginne mit einem Geständnis. Dessous bei Jungs fand ich schon immer leicht daneben. Zu gewollt, zu „Konzept“, zu Fashion Week für normale Sterbliche. Dann bin ich auf die Korsett-Serie von Shaun mit Jagger Zaas gestoßen und habe innerhalb von dreißig Sekunden die Klappe gehalten.
Jagger, für diejenigen, die ihn nicht kennen, ist ein lockiger Brünetter mit goldener Haut, langer fallender Strähne, feiner Kieferpartie, schwarzem Blick und einem tätowierten Rückgrat mit vertikaler Schrift, die bis zum unteren Rücken reicht. Schlank, natürlich, kein Gramm Fitnessstudio. Die Art von Typ, den man sich eher in einem Künstleratelier in Mexiko vorstellt als bei einem Crossfit-Wettkampf. Und genau deshalb sitzt das schwarze Korsett auf ihm wie eine Selbstverständlichkeit.
Das Foto, das mich gefesselt hat, ist schwarz-weiß. Jagger liegt auf einem Sessel aus dunklem Samt, Rücken durchgewölbt, Arm über das Gesicht gelegt, als wäre er gerade vor Erschöpfung eingeschlafen. Das Korsett schnürt ihm die Taille, die Stäbe zeichnen den Bogen der Rippen nach, die Strapse gehen schräg über den Oberschenkel. Und das Licht macht den Rest: es zeigt nicht, es streichelt. Die Kurve der Flanke, die hervorstehenden Schulterblätter, das Grübchen am unteren Rücken, kurz bevor der Samt übernimmt.
Shaun, der Fotograf, versteht etwas Einfaches: ein Typ in Dessous funktioniert, wenn man aufhört, auf Verkleidung zu setzen. Hier sind wir nicht in einer Parodie eines Vintage-Pin-ups. Wir sind bei einem Porträt eines Typs, der sich an einem Sonntagnachmittag einfach in Dessous wiedergefunden hat, die Augen geschlossen und sich anschauen gelassen hat. Die Spitze macht nicht das Ereignis, sie begleitet es. Und das ist der Unterschied zwischen Erotik und Karnevalsverkleidung.
Besondere Erwähnung für die zerzausten braunen Locken, die auf den Nacken fallen, und den Bart, der genau richtig getrimmt ist, damit man nicht vergisst, dass man einen Mann anschaut. Denn das ist das andere Kunststück der Serie: Jagger gibt nichts von seiner Männlichkeit auf, wenn er dieses Korsett trägt. Er verkleidet sich nicht, er kleidet sich anders. Und unter uns gesagt macht es Lust, die Schnürung eine nach der anderen zu lösen, langsam, ohne eine einzige auszulassen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber diese Serie hat mich an meinen letzten Besuch in Berlin erinnert, in einer gemischten Bar, wo ein Typ im Lederrock seinen Spritz trank, als wäre nichts dabei. Niemand schien schockiert, niemand schien auch den Kulturkampf gewonnen zu haben. Einfach ein Typ, ein Rock, ein Glas. Jagger Zaas ist die Studio-Version dieses Typs, tätowierter, brünetter und enger in sein Korsett geschnürt.












